Zeitgenossen beschreiben Oskar Holweck als still vor sich hin arbeitenden Künstler, der beharrlich und mit spielerischer Freude Dinge austestete und so mit allen Sinnen in die Tiefen des von ihm gewählten Materials, des Papiers, eindrang.
Er war ein Meister der Reduktion, nicht nur in seinem Schaffen in Bezug auf den Einsatz von Materialien, Gestaltungsmitteln und Werkzeugen, sondern auch in seinen alltäglichen Ansprüchen. „Freiwillige Einschränkung der persönlichen Freiheit öffnet erst den Weg zur individuellen Gestaltungsfreiheit“, lautete daher einer der Schlüsselsätze in seiner Schrift „Sehen“ von 1968.
Der 100. Geburtstag des Künstlers am 19. November 2024 war Anlass, sein reichhaltiges, innovatives und für nachfolgende Künstlergenerationen wegweisendes Schaffen in einem dreibändigen Werkverzeichnis zu würdigen und so erstmalig in seiner Umfänglichkeit und Vielseitigkeit zugänglich zu machen.
Der Publikation liegt eine fünfjährige Recherchearbeit zugrunde, bei der viel bislang Unbekanntes zutage gefördert wurde – inzwischen können Holweck über 2000 Werke sicher zugeschrieben werden.
Holweck widmete sich seit 1956 nahezu ausschließlich dem traditionell lediglich als Trägermaterial dienenden Werkstoff Papier und verlieh ihm eine Eigenständigkeit, die alles bis dahin Bekannte überstieg. Je weiter er in der Bearbeitung des Papiers voranschritt, es mit einfachen Mitteln, meist den blanken Händen, faltete, knickte, riss, zerfaserte und zerlegte, also auch ent-materialisierte, desto verblüffender, unerschöpflicher und poetischer wurde die hierdurch erzielte Wirkung.
Holweck genoss bei der Avantgarde-Bewegung ZERO größtes Ansehen. Mit minimalsten Mitteln brachte Holweck die Ideale der nach einem absoluten Neubeginn strebenden jungen Künstlergeneration auf den Punkt: Die Auffassung vom Kunstwerk als energetische, wandelbare Konstellation – Raum, Licht und Luft sollten als veränderliche Faktoren zu tragenden Bestandteilen der Arbeiten werden. Und auch die Idee einer Aktivierung und Einbindung des Betrachters spielte bei ihm eine entscheidende Rolle. Zwischen 1958 und 1966 war er bei allen wichtigen nationalen und internationalen ZERO-Ausstellungen und Aktionen mit seinen per Post eingereichten Arbeiten vertreten, ohne jemals physisch anwesend gewesen zu sein.
In der Publikation wurden selbstverständlich auch die elf in der Sammlung Lenz befindlichen Werke von Oskar Holweck verzeichnet (WVZ Nr. OH-1142 bis OH-1151, OH-1207).
Angaben zur Publikation:
OSKAR HOLWECK: WERKVERZEICHNIS
Hrsg. von Christiane Mewes-Holweck, Siegmund Grewenig und Ulrike Schmitt
Beiträge von Petra Oelschlägel, Christiane Mewes-Holweck, Siegmund Grewenig, Ulrike Schmitt, Antoon Melissen & Oskar Holweck (Text in dt. & engl. Sprache)
3 Bde., 23 x 28,5 cm, 1.248 S. mit 2.250 teils farb. Abb., gebunden in Schuber
Verlag Walther König, Köln 2025



Verlagsvorschauen, Werkverzeichnis Oskar Holweck, für alle abgebildeten Werke © Nachlass Oskar Holweck

