RADIKAL. REAL. Nouveau Réalisme und die Kunst der 1960er Jahre

Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim, 03.07. – 11.10.2026 

Am 2. Juli 2026 eröffnete mit einem großen Festakt die Ausstellung Radikal Real. Nouveau Réalisme und die Kunst der 1960er Jahre in der Kunsthalle Mannheim. Die beiden Kuratoren, Luisa Heese und Stefano Agresti, tragen mit ihrer Schau zu einer erfrischenden Horizonterweiterung bei, indem sie sich dem Phänomen „Neuer Realismus“ nicht nur aus dem beengten europäischen Blickwinkel annähern, sondern auch Künstler aus Südamerika und Asien präsentieren, die bislang nicht im Fokus der Betrachtung standen.

Auf eindrucksvolle Weise wird hier beleuchtet, wie in einer Zeit großer Umbrüche parallel an unterschiedlichsten Orten der Welt Ideen aufkeimten, die zu vergleichbaren künstlerischen Ansätzen führten: Die Realität in ihren unterschiedlichen Aspekten rückte ins Zentrum des künstlerischen Interesses, sie wurde zum Material der Kunst. Vor allem Gegenstände und Überreste des urbanen Lebens kamen zum Einsatz, wie beispielsweise Müll, Plakatreste, Maschinen oder Schrottteile.

Darüber hinaus spielte der Faktor Zeit in nahezu allen Werken in unterschiedlicher Weise eine tragende Rolle: das Bild als Ergebnis eines nur wenige Sekunden dauernden Ereignisses, das sich als schemenhafter Abdruck manifestiert – wie in den Feuerbildern Yves Kleins. Oder das Werk als Zeugnis einer Aktion – wie in den Schießbildern von Niki de Saint Phalle, in den Plakatabrissen der Affichisten, oder als Dokumentation einer Alltagssituation – so in den „Fallenbildern“ Spoerris.
Zeit wird für den Besucher darüber hinaus direkt erfahrbar durch die humorvollen, krach-erzeugenden, wild zuckenden Objekte Tinguelys, aber auch durch seine reduzierten, sich auf sehr langsame, meditative Weise bewegenden schwarz-weißen Bilder, die den Aspekt des Unendlichen, des Nie-Identischen erlebbar machen.

Die in der Ausstellung vereinten künstlerischen Positionen sind zwar sehr unterschiedlich, man sieht Einflüsse von ZERO, Pop Art, Fluxus, Happening und Aktionskunst, aber dennoch werden für den Besucher fließende Übergänge erkennbar, die zeigen, dass das retrospektive Einteilen einzelner Künstler in bestimmte Stilrichtungen obsolet ist, Neoavantgarde wird erfahrbar als ein großes künstlerisches Netzwerk.

Wir sind beglückt, dass auch fünf Werke aus der Sammlung Lenz diese wunderbare Ausstellung bereichern dürfen: Zwei Feuerbilder von Yves Klein, „Feu 4“ und „F 94“ – letzteres widmete Klein 1961 dem französischen Kunstkritiker und zugleich Spiritus rector der Nouveaux Réalistes, Pierre Restany (1930-2003), wie die rückseitige Widmung bezeugt: „à Pierre le Feu de l´esprit et l´empreinte de l´amitié“. Des weiteren eine Anthropometrie „ANT 13“ von Yves Klein, eine kinetische Arbeit von Jean Tinguely, „No. 10–Fixation Ovale, Serie: Relief OEuf d´Onocrotale“ sowie ein Achrome von Piero Manzoni.

Weitere Infos zur Ausstellung unter: https://kuma.art/de/ausstellungen/radikal-real

 Feuerbilder Feu 4 und D 94 von Yves Klein

Blick in die Ausstellung: Yves Klein, Feuerbilder Feu 4, 1962, und F 94, 1961; darunter: Yves Klein, Anthropometrie ANT 13, 1960, ganz unten: Jean Tinguely, No.10 – Fixation Ovale, Serie: Relief Oeuf d’Onocrotale,1958/59; Fotos: Ulrike Schmitt